|
Was ist Quevita? Ein Personaltrainer? Eine Religion? Oder das grosse Geschäft?
- Ettore Weilenmann: Die Funktion eines erschwinglichen Personaltrainers ist nur ein Element von Quevita. Das Ziel eines schönen gesunden Lebens würden wir nicht als Religion bezeichnen. Ob es das grosse Geschäft wird, entscheidet der Markt.
|
|
Es gibt allerlei Social Networks. Für jeden und jede ist etwas dabei. Haben die User auf Quevita gewartet?
- Nicola Berg: Unsere Intuition sagt uns, dass ein Netzwerk rund um ein besseres Leben das erste grosse Thema werden kann zu dem sich die so genannte Weisheit der Masse wirklich einen Mehrwert leistet. Sogar mehr als bei den aktuellen zwei grossen Social-Netzwork-Themen wie Freundschaften und Businesskontakte.
|
Es gibt viele Gesundheitsmagazine, Onlineplattformen und es gibt Fitnessclubs. Für ein gesundes Leben ist alles vorhanden. Warum Quevita?
- EW: Ja richtig, alles Wissen zur Erlangung oder Bewahrung eines schönen gesunden Lebens ist irgendwo vorhanden und ebenso die Leute, die uns individuell dabei unterstützen könnten. Aber das Grundproblem ist ungelöst, sonst wäre nicht über die Hälfte der Menschen bewegungsfaul, gestresst oder fehlernährt und damit unzufrieden. Quevita erhöht die Chance, dass jeder die für ihn individuell richtige Change-Methode und den passenden Supporter finden kann.
NB: Ein Fitnessclub ist eine von Hunderten von Optionen, aber für sehr viele Bewegungsfaule eher nicht der Ort, wo sie sich wohl fühlen werden und das Programm den Rest ihres Lebens auch durchziehen werden.
Wie bringen Sie die Menschen dazu, sich mehr zu bewegen?
- EW: Wenn wir Kinder oder gesunde Tiere beobachten, sehen wir, dass Bewegung eigentlich ein natürliches Verhalten wäre. Um wieder artgerecht leben zu lernen und täglich 30 Minuten bzw. 3000 bis 10'000 Schritte zurück zu legen, braucht es Impulse, die für mich persönlich attraktiv sind. Das kann der neue Online-Kollege sein, der mit mir tanzen, walken oder Ski laufen will, oder ein Hund, der mich täglich zum Spaziergang motiviert, oder ich gönne mir für den Anfang einen Personaltrainer. Die Chance meinen Weg zu finden, steigt dank einem Mitmachen bei Quevita.
NB: Social Networks werden hoffentlich auch von mobilen Geräten aus genutzt. Nur besteht da die Gefahr, dass man mit dem Bike oder den Inline-Skates stürzt. Nein, im Ernst: Bei Quevita wird man nicht alle zwei Stunde einloggen müssen, um dabei zu sein. Nur dann, wenn ich wieder einen Impuls brauche.
Inwiefern ist Quevita eine Neuheit im Web 2.0 Dschungel?
- NB: Der Health-Style-Ansatz von Quevita ist neu, sonst hätte Redalpine nicht investiert. Andere Plattformen besprechen Krankheiten wie revolutionhealth oder imedo, oder sie sie fokussieren zu eng statt den Lifestyle ganzheitlich anzugehen. Bewegungsfaule werden auf sportme wohl nicht glücklich, und Übergewichtige werden vermutlich nicht ihr ganzes Leben mit ebalance auf ihre Linie achten.
Bei Quevita spielen Communities eine zentrale Rolle. Ist der Nachweis schon erbracht worden, dass man durch Schwarmintelligenz gesünder leben kann?
- EW: Da Quevita neu ist, lässt sich der letzte Beweis eines nachhaltigen Nutzens erst in ein paar Jahren erbringen. Die Theorie der Schwarmintelligenz – «The Wisdom of Crowds» – ist aber generell ein wichtiges Argument für neue Ansätze im Mitmach-Internet Web 2.0. Heute glauben wir fast alle an einen individuellen Mix von Schulmedizin, Paramedizin, Hausmittelchen, Trainingslehre, Bio oder gar Esoterik. Quevita wird für mich das herausfiltern, was einerseits viele andere gut finden (wie eBay-Rating) und andererseits das, was ich laut Profil mag, woran ich glaube und was ich objektive brauchen könnte laut meiner Antworten in den Check-ups.
Quevita liess sich von Selbsthilfe-Bewegungen während des Kommunismus inspirieren. Erklären Sie uns das.
- NB: Ich war vor der Wende ein paar Mal in Polen. Mir hat imponiert, wie die Polen sich selber geholfen haben in einer totalen Mangelmisswirtschaft. Über Networking hat jeder das fehlende Medikament oder Autoersatzteil irgendwo auftreiben können.
Es gibt im Gesundheitsmarkt sehr viele Scharlatane. Wie halten Sie Quevita sauber und seriös?
- EW: Scharlatane gibt es in jedem Markt, doch in der Marktwirtschaft verschwinden diese bald wieder von der Bildfläche. Auch bei Quevita wird es gute und weniger gute Tipps und Dienstleistungen geben. Doch im Mitmach-Internet ist die Transparenz eben sehr viel höher als in der Old Economy. Bei XING und StudiVZ haben wir gelernt: Die Community hält sich zu 98 Prozent selber rein, und um die letzten 1.9 Prozent kümmert sich unterstützt von Backend-Tools das Community Management.
Quevita will innert drei Jahre eine Million Menschen an die Plattform binden. Ist das Ziel nicht etwas hoch gesetzt?
- NB: Ein bisschen ehrgeizig sind wir immer. Aber das Ziel haben wir mit einer Million Mitglieder innert drei Jahren bewusst tiefer angesetzt als wir es als Investoren bei XING oder StudiVZ bereits einmal erreicht haben. Andererseits schätzen wir den Marktwert pro Member bei Quevita höher ein.
Wie wollen Sie die Leute nachhaltig an die Plattform binden?
- EW: Quevita wird mein Cockpit im Internet für ein gesundes schönes Leben. Als User baue ich mir hier meine Daten und Kontakte zu privaten wie professionellen Weggefährten auf. Das kann man später nicht ganz verlustfrei umziehen.
Quevita bietet Tools an, um die Bewusstseins- und Verhaltensänderungen zu stabilisieren. Können Sie kurz auf die Wichtigsten eingehen.
- EW: Tools wie Check-ups, Trackers und Pedometer machen mir bewusst, wie mein Verhalten wirklich ist und wie ich es ändern müsste, um meine individuellen Ziele zu erreichen. Für die Umsetzung brauche ich dann vielleicht einen Initialimpuls in Form eines Seminars, Personaltrainers oder Ernährungsberaters. Später benötige ich Gleichgesinnte und Mentoren, um den neuen Lifestyle gemeinsam zu stabilisieren.
Herr Berg, Sie haben in Erfolgsgeschichten wie Xing und StudiVZ investiert. Warum investieren Sie in Quevita?
- NB: Nach etwas wie XING habe ich seit 2001 aktiv gesucht und es 2004 in der Plattform von Lars Hinrichs gefunden. Bei Quevita waren wir als Redalpine Venture Partners seit Weihnachten 2006 in aktivem Dialog mit den Gründern. Wir investieren, weil wir dies für den gesellschaftlich nützlichsten Ansatz im ganzen Web 2.0 halten. Und wir hoffen wie immer bei einem Investment, dass wir unser Geld innerhalb von zwei bis fünf Jahren mehrfach zurück erhalten dank eines Verkaufs an einen strategischen Partners oder eines Börsengangs.
Lässt sich heute im Mitmach-Web mit Werbung Geld verdienen?
- NB: Der Gründer von XING und zuvor auch der von eBay sträubte sich lange gegen Werbung. Doch ich finde, dass gezielte Werbung weit weniger störend wirkt als klassische Schrotflintenwerbung mit massivem Streuverlust. International verdienen Myspace und Facebook schon ganz ordentlich mit Targeted Advertising. Ideal ist es natürlich für die Werbeparter, wenn man sowohl Masse (Auflage) als auch Klasse (Targeted) anbieten kann.
Wann ist man soweit, um mit Targeted Advertising Geld zu verdienen? Die Technik steckt bekanntlich noch in den Kinderschuhen.
- NB: Ich referierte und diskutierte neulich in Wien zusammen mit anderen Internet-Unternehmern über das Thema. In Europa hinken wir noch hinter den Amerikanern her, weil sich viele mit ungenügend reflektierten Datenschutzargumenten vor der Sinnvollsten aller Werbeformen fürchten. Alle Partner in der Werbe-Wertschöpfungskette müssen aber erst lernen, wie man gute gezielte Werbung macht. Die Tools der Dotcoms sind noch zu kompliziert, die Vermittler zu ratlos und Werbebuchenden fehlt oft die Fantasie, was alles machbar wäre.
Zum Thema Datenschutz: Die User vertrauen der Plattform sensible Daten an. Jede Krankenkasse würde gerne in den Besitz solcher Zahlen kommen. Was passiert mit den Daten?
- NB: Ich schrieb meine erste Uni-Diplomarbeit über den Bedarf nach mehr Datenschutz. Heute beurteile ich Mitglieder-Profile wie bei Quevita als relativ harmlos, denn ich notiere nichts über Krankheiten, sondern nur Gesundheitsziele, Sportarten und dergleichen. Der Username kann zudem Mickeymaus lauten und das Passwort gebe ich sicher nicht meiner Krankenkasse. Bei Borsalino warnten uns 1998 auch alle, Finanzdaten seien viel zu vertraulich fürs Internet. Doch sogar Prominente haben bei uns ihr echtes Aktienportfolio geführt und teils sogar im Blick ihre Performance offen gelegt.
Quevita will eng mit Unternehmen zusammen arbeiten. Welche Unternehmen setzen bereits auf die neue Plattform?
- EW: Wir sind gerade erst gestartet, haben aber bereits Abschlüsse mit regionalen KMU, einem grösseren Verlag und weit gediehene Diskussionen mit einer Bank. Beliebt ist vor allem unsere Everst Expedition verbunden mit einem Schrittzähler sowie die Möglichkeit, Mitarbeitern vergünstigt die Quevitaler-Währung abzugeben, mit der man sich nur Schönes und Gesundes kaufen kann.
Abschlussfrage: Wie stark hat Quevita ihre Gesundheit bereits im Griff? Leben Sie seit der Lancierung gesünder?
- NB: Ich lebte bereits zuvor ziemlich gesund. Dank Quevita habe ich ein dreitägiges Seminar bei FitimJob gebucht, um mich in Sachen Ernährung, Bewegung und Entspannung auf den aktuellen Stand zu bringen und neue Impulse zu holen.
EW: Auch ich habe bereits zuvor regelmässig Sport getrieben. Aber dank Quevita lerne ich on the Job jeden Tag neues und versuche dies auch umzusetzen. Zudem habe ich erstmals in meinem Leben an einem Strassenlauf teilgenommen. Das hätte ich mir noch vor 12 Monaten nicht vorstellen können.
(Interview: Christian Lüscher)
| |
[26.02.2009 - 23.49 Uhr]
Patrick Glas
www.sportme.de ist aber echt eine geile Seite...
wird schwer besser zu werden.
|
| |
|